Was braucht Europa? Atheismus oder Katholizismus?

Mein „Liebling“ David Berger hat da mal wieder einen Vortrag gehalten (siehe hier). Ich will darauf einfühlsam reagieren: Ja, Europa braucht eine Stärkung des Christentums. Ich bin selber Katholik und habe daher nichts dagegen, wenn das in die katholische Richtung geht. Ja, der Atheismus ist keine Option, um unsere Identität zu wahren, weil er nur ein Vakuum schafft. Der Atheismus wird nicht das 21.Jahrhundert bestimmen. Wer das glaubt, reitet ein totes Pferd. Jetzt tobt sich der Atheismus gerade aus, vor allem in den Biowissenschaften. Ein Paradigmenwechsel wird aber kommen und mehr Bescheidenheit in der Naturwissenschaft.

ALLERDINGS: Der gute Herr Berger sollte sich einmal anschauen, in welche Gesellschaft er sich begibt. Die AfD ist eine Partei, deren Kultur vom Atheismus und vom Biologismus dominiert wird. Im Anti-Islam-Kampf wendet man sich gerne gegen jede Religion. Bestenfalls gibt es dort ein Kultur-Christentum und ich denke, so etwas oberflächlich-sentimentales kann doch der Scholastiker Berger nicht meinen, gerade wenn er sich mit dem knallharten Traditions-Katholizismus identifiziert. Zudem ist es für mich unerfindlich, wie er einen Katholizismus gegen die kirchliche Obrigkeit fördern will, die ihm zu liberal ist. Die Hierarchie ist ein katholischer Grundzug, den man sich nicht wegbasteln kann. Ich verstehe den Ärger Bergers über viele Bischöfe und Gremien, aber so wird das nicht funktionieren, weil die praktizierenden Kirchenkatholiken, nicht die Blogger, sich nicht einfach gegen die Hierarchie in Stellung bringen lassen.

Bergers Vortrag ist also eher ein Ausdruck der großen ideologischen Verwirrung und Ratlosigkeit in der rechten und konservativen Szene und keine Auflösung derselben. Es ist zu viel in sich widersprüchlich, was da verbreitet wird. Noch gar nicht mitbedacht sind Themen wie die Vereinbarkeit von Nächstenliebe und Migrationskritik. Ein schwieriges Feld, das nicht leicht zu beackern ist. Interessant ist auch der evangelikale Siegeszug z.B. in Brasilien. Rund ein Drittel sind dort schon Evangelikale. Der Katholizismus geht zurück. Meiner Ansicht nach hat das mit deren Radikalität zu tun, aber vor allem auch damit, dass es bei den Evangelikalen keine solch starre Hierarchie gibt wie in der katholischen Kirche. Jeder kann mitmachen, auch an führender Stelle, niemand kann etwas verbieten. Das schafft eine große Dynamik – wie im Islam.

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2 Antworten zu Was braucht Europa? Atheismus oder Katholizismus?

  1. lynx schreibt:

    Ich bewundere Ihre Ernsthaftigkeit, mit der Sie sich mit Berger befassen. Nur, weil er auch vorgibt, Katholik zu sein? Gibt es irgendetwas bei ihm, das man auch nur ansatzweise als kohärent oder erwähnenswert bezeichnen könnte?

    • Ich gestehe, das ist mein erster Beitrag, in dem ich teilweise Verständnis für Berger äußere. Allgemein ist mir der Mann trotz scholastischer Bildung zu konfus (geworden) und seine extreme Sprunghaftigkeit hat er oft schon unter Beweis gestellt. Mich würde nicht wundern, wenn irgendwann die nächste radikale Wende kommt. Mit seiner Kritik am Atheismus hat er aber recht, darum dieser eher abwägende Post von mir. Man könnte und müsste das Thema Atheismus, Biologismus, Islamkritik und Europa noch viel mehr ausführen, aber dazu fehlt mir die Zeit und ich weiß auch nicht, ob sich für solche Details heutzutage überhaupt noch Leser finden. Heute geht es ja meist leider nur noch um ein Haudrauf.

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