Angela Merkel – Neue Führerin des Westens?

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In immer mehr Zeitungen wird Angela Merkel als neue Führerin des Westens ausgerufen. Nach der Machtübernahme von Donald Trump erscheint sie vielen als letzte Hoffnung des Liberalismus. Dabei machen aber die Lobpreisenden ein paar Denkfehler.

Jetzt ist es gerade wieder die Financial Times, die aus lauter Verzweiflung Merkel zur Führerin des Westens ausruft. Auf den ersten Blick klingt es durchaus plausibel, ist doch Merkel die letzte übrig gebliebene Charge von klassischen westlichen Politikern. In vielen Ländern sind diese Leute aus der Spitze schon verschwunden, nun sogar in den USA. Natürlich machen sich die Liberal-Ideologen Sorgen. Jetzt wollen sie Merkel zu Heilsbringern aufblasen. Dabei machen sie jedoch einige Denkfehler.

Angela Merkel ist mitnichten eine prinzipienfeste Politikerin, auf deren Schultern man ein Ideologie-Gebäude ruhen lassen könnte. Zudem braucht es zum Erhalt der transatlantischen Partnerschaft mehrere Partner, einer davon müssen die USA sein. Deutschland allein kann keine transatlantische Partnerschaft begründen. Fallen die USA aus der traditionellen Rolle raus, dann ist es aus mit der überkommenen transatlantischen Politik. Für die entsprechende NATO-Lobby ist das natürlich ein Albtraum, gerade jetzt, wo sie so gegen Russland Front gemacht hatte. Außerdem besitzt Deutschland weder das intellektuelle, noch das militärische und kaum das wirtschaftliche Potenzial, um den Westen allein zu führen. Das ist eine absurde, fast schon verzweifelte Hoffnung entsprechender Kreise.

Insgesamt ist die Ausrufung Deutschlands als westlicher Führungsmacht eine ziemlich hohle Geschichte. Sie hat aber einen wahren Kern: Deutschland ist dabei, sich in der alten Gesinnung ideologisch einzumauern, sich abzuschotten von Entwicklungen in Europa und den USA. Deutschland wird zum Relikt eines politisch verfehlten Pseudo-Liberalismus. Und da muss man der Financial Times recht geben. Es geht um genau diese selbst gebastelte liberale Ideologie der letzten Jahrzehnte, eingeschlossen den wirtschaftlichen Neoliberalismus. Diese Ideologie ist tatsächlich in Gefahr, nicht aber die Demokratie.

Foto: Pixabay
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