Übernimmt China den Fernen Osten Russlands?

sibirien-07-12-2016

Es ist schon fast Allgemeingut geworden: Immer mehr Chinesen und chinesisches Kapital strömen in den Fernen Osten Russlands, vor allem in das Amur-Gebiet. Bald werden die Chinesen dort die Kontrolle übernehmen. Russland verliert irgendwann Sibirien. Hier einige Gründe, warum diese Sicht falsch ist und was die Krim mit China zu tun hat.

  1. China ist kein monolithischer Block ohne Probleme. Es gibt in China selbst viele Widersprüche und Konflikte, die das Land erschüttern könnten. Man sollte Schwäche nicht immer nur bei Russland verorten. Russland ist immerhin schon die Kommunistische Partei losgeworden. In China regiert diese noch immer. Darüber hinaus werden die USA den Chinesen in den nächsten Jahren zusetzen. Peking wird sich daher hüten, dem russischen Bären zu sehr auf die Zehen zu treten.
  2. Der Staat ist in Russland zwar zurzeit eher leger aufgestellt, auch wenn man das nicht glauben mag, und viele Dinge werden eher locker gehandhabt. An viele Gesetze und Vorschriften hält man sich einfach nicht und die Behörden sehen weg. Es wird tatsächlich nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Das kann sich aber jederzeit ändern. Schon die geltende Rechtslage erlaubt massive staatliche Eingriffe und die Sicherheitsorgane sind nicht zimperlich. Ganz zu schweigen, welche Gesetze noch verabschiedet werden könnten. Es handelt sich also nicht um einen Kontrollverlust bei Massenimmigration, sondern um ein bewusstes Tolerieren, um die Entwicklung des Fernen Osten voranzubringen.
  3. Die Russen sehen die Einwanderung nicht naiv, sondern strategisch. Sie denken sehr patriotisch und sehen das Ganze mit Skepsis. Falls chinesische Machtansprüche auftauchen, würde die Stimmung nicht nur bei den Staatsorganen, sondern auch bei der Bevölkerung sehr schnell umschlagen. Die Situation ist eine völlig andere als in Europa.
  4. Ein direkte Annektion der Gebiete durch China scheidet ohnehin aus. China beginnt keinen Krieg, um etwas zu erreichen, was es im Kern auch ohne Krieg bekommt. Russland hat in der Ukraine und auf der Krim bewiesen, dass es sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Das war auch eine Warnung an China (und an Kasachstan). Die Botschaft wurde verstanden.
  5. Die Schwierigkeiten im Fernen Osten bringen einen besondern Menschenschlag hervor, der pragmatisch Krisen und Chaos meistert. So bauen z.B. Unternehmen im Fernen Osten die Straßen zu ihren Fabriken manchmal sogar selbst und unterhalten diese allein. Diese Prägung der Menschen ist ein großes Plus, wenn man diese Leute mit den eher bequemen und ängstlichen Europäern vergleicht.
  6. Der Ferne Osten ist nicht Sibirien. Er ist ein Teil des Ganzen. Es gibt genug Ausgleichsmasse, um den chinesischen Einfluss auszugleichen.
  7. Es ist vernünftig, den Fernen Osten mit fremdem Kapital zu entwickeln. Aus den USA kann es nicht kommen, die Amerikaner wollen vor allem den schnellen Profit, saugen die Unternehmen aus und möchten politischen Einfluss zementieren. Die Chinesen denken langfristiger, schaffen Substanz und machen keine politischen Vorschriften. Russland besitzt jetzt nicht das Kapital und mangelnde Entwicklung des Fernen Ostens kann die Lage auch destabilisieren.

Die entsprechenden Berichte in den Medien sind meist ziemlich tendenziös. Sie stellen Russland möglichst schlecht dar, die Chinesen dagegen alle als erfolgreiche Wellenreiter der Globalisierung. Nun, die Globalisierung ist kein Naturgesetz, gerade jetzt erkennen wir, dass sie womöglich gar nicht auf diese Weise weitergeführt wird. Manchmal unterstellt man den Russen im Fernen Osten aufgrund ihres Patriotismus „Rassismus“ während die Chinesen als nur am Profit interessiert dargestellt werden. Nun, wer chinesischen „Rassismus“ sehen will, der sollte nach Tibet blicken. Niemand weiß, was kommt. Man sollte aber die Dinge nicht so einseitig sehen, wie viele etablierte Medien es tun.

Foto: Pixabay
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