Braucht Deutschland jetzt die Atombombe?

atombombe-29-11-16

Nach dem Sieg von Donald Trump und dem Sieg weiterer nationaler Bewegungen könnte sich die Sicherheitsarchitektur in Europa grundlegend ändern. Die alten Sicherheiten und Glaubenssätze gelten nicht mehr. Tabus der Vergangenheit könnten ihre Gültigkeit verlieren.

Niemand weiß, ob man Trump wirklich beim Wort nehmen muss, ob er auch nur andeutungsweise durchsetzt, was er angekündigt hat. Vollkommen etabliert wird seine Politik aber wohl nicht sein, er muss seinen Anhängern etwas liefern. „America first“ ist das Schlagwort, das den grundlegenden Wandel der US-Außen- und Sicherheitspolitik beschreiben könnte. Bündnisgeflechte mit vielen Staaten werden abgelöst durch Einzelvereinbarungen, zumindest werden Bündnisse wie die NATO geschwächt. Im Grunde ist das heute schon, nach Trumps Äußerungen und der Politik Obamas, der Fall. Es ist nicht mehr sicher, ob die USA im Konfliktfall wirklich in Europa intervenieren. Das Prinzip der Abschreckung liegt bereits im Koma.

Im Extremfall könnten sich die USA mehr oder weniger aus Europa zurückziehen. Mit seinem angekündigten Rückzug aus der Transpazifischen Partnerschaft TTP, einem Freihandelsabkommen, hat Trump schon eine Wegmarke gesetzt. Das Feld ist frei für China. In Europa stellt sich die Frage, wie es sich in Zukunft verteidigen will.

Dazu kommt der Aufstieg weiterer nationaler Bewegungen in Europa. Das Vereinigte Königreich verlässt die EU, in Frankreich könnten mit Fillon oder Le Pen nationale oder nationalistische Regierungen an die Macht kommen. Das wäre das Ende der EU.

Was soll Deutschland machen in diesem Szenario? Es braucht einen neuen Verteidigungsplan. Die Bundeswehr muss gestärkt werden. Mehr Geld für Rüstung ist äußerst unbeliebt, aber notwendig. Man muss aber auch bisher noch Undenkbares denken. Berthold Kohler tut dies in einem FAZ-Artikel: Deutschland sollte darüber nachdenken, Atommacht zu werden. In der Tat eine Provokation. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken.

Die atomare Garantie der USA wird unsicher, die Atomarsenale Frankreichs und Großbritanniens sind zu klein und teilweise veraltet. Ich gehe noch weiter als Kohler: Es ist schwer vorstellbar, dass in einem wieder national denkenden Europa Frankreich oder Großbritannien im Kriegsfall Deutschland mit Atomwaffen helfen und sich selbst in extreme Gefahr bringen. Nein, Frankreich und Großbritannien werden ihre Interessen verfolgen, Deutschland kann sich darauf nicht verlassen. Zudem: Wissen wir überhaupt, wer im künftigen Europa ein Feind wird oder nicht? Das kann niemand vorhersagen. Alle verfolgen ihre eigenen Interessen. Garantieren kann man für nichts mehr.

Dieses ganze Szenario könnte es zwingend machen, dass Deutschland sich mit Atombomben ausrüstet. Man erkennt, was auf der Welt und hier in Europa gerade abgeht, wie sehr sich die tektonischen Platten alter Gewissheiten verschieben. Die Welt wird ein gefährlicherer Ort als bisher schon, wer jetzt zu sehr zaudert, der wird alles nur noch schlimmer machen. Bis das den Deutschen ins Bewusstsein dringt, wird es aber noch dauern. Erst einmal hoffen wir, dass wir morgen aus dem bösen Traum wieder aufwachen.

Foto: Pixabay
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